Der Wasserschaden als finanzielles Risiko: Worauf Eigentümer und Vermieter achten sollten

So können Sie mit Prävention und optimiertem Versicherungsschutz böse Überraschungen vermeiden.

Symbolbild Wasserschaden: Leitungswasser-Pfütze auf einem HolzbodenFoto: OleCNX / AdobeStock

Von Verbandsdirektor RA Ralf Schönfeld

Bei über 3.000 Leitungswasserschäden pro Tag zeigt sich die hohe Bedeutung dieses Themas für Immobilieneigentümer. Bei Wohngebäudeversicherungen ist Leitungswasser das teuerste Risiko und macht rund die Hälfte aller Ausgaben aus. Erhebungen des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer e.V. zeigen zudem, dass in 38 Prozent aller Fälle Ausführungsfehler bei der Installation Ursache für den Wasserschaden sind. Viele Schäden könnten demnach bereits im Vorfeld vermieden werden.

Frage: Welche Versicherung ist zuständig?

Wenn es dann doch zu einem Wasserschaden gekommen ist, stellt sich die Frage, ob und welche Versicherung Schutz bietet und wie man sich als Betroffener verhalten muss. Bei Wasserschäden sind oft verschiedene Versicherungen zuständig. Wenn es um Schäden am Haus, also Decken, Böden, Wänden etc. geht, ist dies regelmäßig ein Fall für die Wohngebäudeversicherung. Eine Hausratversicherung kann dagegen zum Beispiel beschädigtes Inventar wie Möbel oder Teppiche ersetzen. Wenn man Dritte schädigt, indem etwa Wasser in die Wohnung des Nachbarn eindringt, greift häufig die Privathaftpflichtversicherung. Eine Elementarschadenversicherung kommt zudem zum Tragen, wenn der Schaden durch eine Überschwemmung bei Starkregen entsteht.

Schadensmeldung muss „unverzüglich“ erfolgen

Im Schadensfall ist außerdem schnelles Handeln erforderlich. In einem Fall, den das Oberlandesgericht Zweibrücken (Az. 1 U 187/99) zu entscheiden hatte, meldete ein Hauseigentümer einen Leitungswasserschaden zunächst der falschen Versicherung. Nachdem er den Hinweis auf die fehlende Zuständigkeit erhalten hatte, wandte er sich erst nach mehreren Wochen an die zuständige Versicherung. Die Folge: Da die Schadensmeldung nicht mehr „unverzüglich“ war, blieb der Hauseigentümer auf seinem Schaden von über 70.000 Euro sitzen.

„Grobe Fahrlässigkeit“ kann für Sie teuer werden

Die Versicherung kann ihre Zahlung kürzen oder sogar streichen, wenn der Versicherungsnehmer den Schaden grob fahrlässig verursacht hat. Als grob fahrlässig gilt beispielsweise, wenn man nicht heizt und Leitungen einfrieren oder wenn man trotz Frost einen Außenwasserhahn nicht entleert. Das gilt auch für offene Fenster bei Regen. Ältere Wasch- und Spülmaschinen ohne Aquastopp können ebenfalls zum Problem werden. Kaum jemand macht sich die Mühe, den Zulaufhahn bei jedem Waschgang auf- und wieder zuzudrehen, weshalb der Schlauch ständig unter Druck steht. Kommt es hier nach Jahren zu einem Defekt, kann dies als grob fahrlässig bewertet werden. Bei Geräten mit Aquastopp gelten diese Grundsätze nicht. Aber auch hier sollte man den Wasserhahn abdrehen, wenn man längere Zeit außer Haus ist.

Worauf müssen Vermieter besonders achten?

Bei Mietwohnungen besteht zunächst Schutz über die Wohngebäudeversicherung des Vermieters. Hier gilt für Mieter die Pflicht zur „unverzüglichen“ Meldung eines Schadens. Sofern der Vermieter die Kosten für die Versicherung im Rahmen der Betriebskosten auf die Mieter umlegt und der Mieter den Schaden nicht grob fahrlässig verursacht hat, muss die Versicherung zahlen und der Mieter kann nicht in Regress genommen werden. Kommt es zu einer Haftung des Mieters, ist dies regelmäßig ein Fall für dessen Privathaftpflichtversicherung.

Für Vermieter kann es teuer werden, wenn die Gebäudeversicherung keinen Wasserschadenschutz bietet. Bezahlt ein Mieter mit den Betriebskosten für eine Wohngebäudeversicherung, kann er erwarten, dass damit auch Leitungswasserschäden abgedeckt sind. Kommt es dann zum Beispiel zu einem Schaden durch das Anbohren einer Leitung, haftet der Mieter grundsätzlich nicht (AG Idstein, Urteil vom 25. Mai 2020, Az. 3 C 365/19). Vermieter laufen in einem solchen Fall also Gefahr, auf den Kosten des Leitungswasserschadens in der Wohnung ihres Mieters sitzen zu bleiben.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Mieter das Recht auf eine Mietminderung haben, wenn sie den Schaden nicht selbst verursacht haben. Das gilt auch, wenn den Vermieter keine Schuld trifft, weil der Schaden von einem Nachbarn verursacht wurde. Da der Vermieter vertraglich verpflichtet ist, eine mangelfreie Wohnung zu stellen, kann es sogar so weit kommen, dass er dem Mieter auch die angemessenen Kosten für ein Ausweichquartier erstatten muss, zum Beispiel für ein Hotel.

„Undichte Fugen“ als unterschätzter Risikofaktor

Die Zahlen des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer e.V. zeigen, dass bei den Schäden nach Baugruppen „Verbindungen und Dichtungen“ mit 26 Prozent die Komponenten mit der höchsten Schadensanfälligkeit sind. Dabei sind die eigenen vier Wände unterschiedlichen Gefahren ausgesetzt – darunter auch unsichtbare wie etwa Schäden, die durch undichte Fugen in der Dusche oder der Badewanne entstehen.

Silikonfugen sind Wartungsfugen und sollten daher regelmäßig kontrolliert werden. Die Haltbarkeit der Silikonfugen können Sie durch regelmäßiges Lüften und Trockenwischen mit einem Tuch zusätzlich verlängern. Silikonfugen finden nicht nur im Bad, sondern im gesamten Haus Anwendung. Sie sind notwendig, um Lücken zwischen verschiedenen Bauteilen und -materialien zu schließen. Wenn sie aber durch Verschleiß oder unsachgemäße Verarbeitung Wasser durchlassen, kann die eindringende Feuchtigkeit erhebliche Schäden verursachen. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 20. Oktober 2021 (Az. IV ZR 236/20) sind Schäden aufgrund undichter Fugen und somit auch die Kosten für die Sanierung nicht durch die Wohngebäudeversicherung abgedeckt.

Im Rahmen der Leitungswasserversicherung besteht unter anderem Versicherungsschutz für Nässeschäden an versicherten Sachen, die durch Leitungswasser verursacht werden, das bestimmungswidrig aus mit dem Rohrsystem verbundenen sonstigen Einrichtungen (oder deren wasserführenden Teilen) austritt.

Versicherer haben Regulierungspraxis geändert

Bisher haben Versicherer meistens auch Nässeschäden als versichert angesehen, die durch Leitungswasser entstehen, das durch undichte Fugen von Duschtassen und Badewannen hinter Fliesen und ins Mauerwerk dringt. Wegen der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs haben die Versicherer aber nun eine Anpassung ihrer Regulierungspraxis vorgenommen. Duschtasse, Wanne oder Bodenablauf und der umgebende Bereich werden nicht mehr als Bestandteil einer sonstigen mit dem Rohrsystem verbundenen Einrichtung angesehen. Dringt also Wasser durch undichte Fugen oder Versiegelungen in diesem Bereich unter die Duschtasse oder die Badewanne, hinter Fliesen und ins Mauerwerk, handelt es sich nicht um einen versicherten Nässeschaden. Deshalb empfiehlt es sich, den Umfang des eigenen Versicherungsschutzes zu prüfen und gegebenenfalls eine Aktualisierung der Vertragsbedingungen unter Einbeziehung solcher Nässeschäden zu vereinbaren.

Empfehlung: Wartung nur durch den Fachmann

Bei der Ausführung von Installationsarbeiten im Sanitärbereich sollten stets nur Fachleute zum Einsatz kommen, um Ausführungsfehler zu vermeiden. Außerdem ist eine regelmäßige Wartung des Hauptabsperrventils im Haus zu empfehlen, damit hier im Notfall schnell gehandelt werden kann.

Langjährige Verträge besser unter die Lupe nehmen

Darüber hinaus müssen Schäden stets „unverzüglich“, das heißt sofort, gemeldet werden, um Probleme mit dem Versicherer zu vermeiden. Bei langjährigen Versicherungsverträgen ist außerdem eine Prüfung sinnvoll, ob die versicherten Risiken und die vertraglichen Leistungen noch den aktuellen Anforderungen und Gegebenheit entsprechen oder ob der Vertrag aktualisiert werden sollte.

Mitgliedervorteil: Nachlass auf Versicherungen

Als Kooperationspartner des Landesverbands gewährt die Gothaer Bezirksdirektion Kirchgeßner den Mitgliedern der Haus & Grund Vereine in Rheinland-Pfalz besonders günstige Konditionen beim Abschluss verschiedener immobilienbezogener und privater Policen. Das gilt insbesondere für die Wohngebäudeversicherung, Hausratversicherung, Privathaftpflichtversicherung sowie für private Unfallversicherungen.

Hier klicken und mehr dazu erfahren

 

Statistiken zu Leitungswasserschäden

 

 

Quelle Grafiken: www.ifs-ev.org

 

Dieser Artikel stammt aus dem digitalen Info-Service von Haus & Grund Rheinland-Pfalz (Ausgabe Juli/August 2022 vom 15. August 2022). Melden Sie sich jetzt an für diesen kostenlosen Service des Landesverbands:

Button: Anmelden für den digfitalen Info-Service

Zurück

Cookie-Hinweis

Diese Website nutzt Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung zu ermöglichen. Wenn Sie nachfolgend zustimmen, werden alle Einstellungen aktiviert.

Cookie-Einstellungen