Schrumpfende Regionen und die privaten Vermieter dort brauchen neue Perspektiven

Die neue Bundesregierung will die ländlichen Regionen stärken. Denn hier macht sich der demografische und wirtschaftsstrukturelle Wandel besonders bemerkbar, auch in Rheinland-Pfalz. Die Folge: Viele kleinere und mittlere Städte schrumpfen, der Leerstand nimmt zu.

Leerstand in Rheinland-PfalzFoto: Johannes Ortner / flickr.com

 

Von Verbandsdirektor Ralf Schönfeld

„Unser Ziel ist, die ländlichen Räume weiter zu stärken und Regionen und Städte zukunftsfest zu machen. Dazu gehören Investitionen in eine moderne Infrastruktur, z.B. in den Bereichen Mobilität, Energie und Digitalisierung, in ein qualitativ hochwertiges Wohnumfeld und Sicherheit in öffentlichen Räumen.“ So formuliert es die Große Koalition im Koalitionsvertrag zum Thema „Stärkung ländlicher Räume“.

Bevölkerungsentwicklung in Rheinland-Pfalz

Auch für Rheinland-Pfalz als Flächenland ist die Stärkung der ländlichen Regionen von existentieller Bedeutung. Das Statistische Landesamt hat bereits 2012 in seiner dritten regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung auf die strukturellen Entwicklungen im Land hingewiesen. Es kam dabei zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Bevölkerungsentwicklung wird auch in Zukunft regional sehr unterschiedlich verlaufen.
  • Die Einwohnerzahl wird in den Landkreisen mittel- und langfristig stärker sinken als in den kreisfreien Städten.
  • Mittelfristig wird es nur noch fünf Gebiete mit Bevölkerungszuwachs geben (Trier +4,2 Prozent, Trier-Saarburg +3,9 Prozent, Landau +2,8 Prozent, Mainz +2,1 Prozent, Mainz-Bingen +0,9 Prozent).
  • In allen anderen Gebieten wird die Bevölkerungszahl mittelfristig sinken. Die Spannweite der Bevölkerungsrückgänge bis 2030 reicht in den kreisfreien Städten von -0,6 Prozent in Worms bis -20 Prozent in Pirmasens und in den Landkreisen von -2,2 Prozent in Germersheim bis -16 Prozent im Kreis Südwestpfalz.

Aktuelle Studie zum Wohnungsleerstand

Diese Veränderungen bedeuten große Herausforderungen für alle Lebensbereiche. Seitdem haben sich Gesellschaft, Politik und Wirtschaft mit einer Vielzahl von Aktionen und Maßnahmen auf den demografischen Wandel eingestellt.

In Regionen, die vom demografischen und wirtschaftsstrukturellen Wandel besonders betroffen sind, stehen nach einer aktuellen Studie der TU Kaiserslautern in kleineren und mittleren Städten bis zu 20 Prozent der Wohnungen dauerhaft leer. Es wird erwartet, dass dieser Anteil im Geschosswohnungsbau noch weiter anwachsen wird.

Diese Leerstände sind nicht mehr auf Ostdeutschland beschränkt, sondern werden zunehmend auch in west- und norddeutschen Regionen verzeichnet. In welcher Weise der wachsende Wohnraumbedarf infolge der aktuellen Zuwanderung diese Leerstände beeinflussen wird, ist offen und lässt sich erst beantworten, wenn die mittelfristige regionale Verteilung der Flüchtlinge erkennbar wird.

Die Schwierigkeit, das zukünftige Ausmaß der Leerstände einzuschätzen, wird dadurch verstärkt, dass sie sich nicht nur regional unterschiedlich verteilen, sondern auch nach solchen Kriterien wie ihrem Baualter, ihrer Lage (in der Stadt), der Situation ihrer Eigentümer oder ihrer städtebaulichen Struktur.

Unklar ist auch, welche unterschiedlichen Maßnahmen von Eigentümern und Kommunen bereits als Reaktion auf die Leerstände ergriffen werden und welche Strategien sie dabei verfolgen.

In dem von der Wüstenrot Stiftung geförderten Forschungsprojekt wurde bundesweit nach erfolgreichen Konzepten und Strategien für den Umgang mit wachsenden, überdurchschnittlichen Wohnungsleerständen gesucht.

Die Verbesserung der Wahrnehmung, wie brisant die Entwicklung von Leerständen in allen Bundesländern werden kann, und die Erhöhung der Bereitschaft zur Entwicklung und Umsetzung präventiver Maßnahmen in betroffenen Kommunen stand dabei im Mittelpunkt.

Dabei wurden Handlungsfelder für Kommunen und Eigentümer formuliert, die neben kommunalen Konzeptionen auch Analysen zur Leerstandssituation und zu Fragen von Finanzierung und Eigentum beinhalten.

Strukturschwache Gebiete im Fokus

Das Bauforum Rheinland-Pfalz, zu dessen Gesellschaftern auch der Landesverband Haus & Grund gehört, befasst sich aktuell mit der Zukunft und den Entwicklungspotenzialen der Räume außerhalb der Wachstumsregionen in Rheinland-Pfalz.

Dabei geht es nicht einfach nur um den „ländlichen“ Raum. Für die Entwicklung und Förderung dieser Gebiete sind die Fragen des Arbeitsplatz- und Wohnungsangebots, der Infrastrukturen, des Freizeitangebots und des bürgerschaftlichen Engagements gleichermaßen bedeutsam.

Hier gibt es viele Programme und Initiativen auf unterschiedlichen Ebenen und aus verschiedenen Ressorts, die ländliche Räume und strukturschwache Gebiete in den Blick nehmen.

Zur Frage der Entwicklungspotentiale strukturschwacher Räume in Rheinland-Pfalz fand Anfang des Jahres eine Expertenanhörung statt. Das Thema wurde in kurzen Fachbeiträgen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Insbesondere die Bereiche Wohnungs- und Städtebau, Siedlungsentwicklung, Infrastruktur, Mobilität, Wirtschaft, Kommunale Finanzen und Förderlandschaft sowie Tourismus in Rheinland-Pfalz wurden thematisiert und diskutiert.

Fazit der Veranstaltung war, dass die Beiträge der Expertenanhörung eine gute Grundlage für eine Bearbeitung des Themas darstellen. Deshalb hat die Gesellschafterversammlung des Bauforums beschlossen, den begonnenen Prozess weiterzuführen. So widmet sich auch das 18. Bauforum am 13. Juni 2018 in der Stadthalle Boppard diesem Thema.

Die Position von Haus & Grund

Ohne die ländlichen Räume können wir die Probleme der Wohnraumversorgung in Rheinland-Pfalz nicht lösen. Die Schwarmstädte haben zwar nach wie vor Baulandpotenzial, aber nicht genug, um die Nachfrage nach preisgünstigem Wohnraum zu befriedigen.

Dabei muss der ländliche Raum attraktiver werden, um eine echte Alternative darzustellen. Es gilt, das Umland und die ländlichen Räume so anzubinden, dass die Wohnungsmärkte in den begehrten Innenstädten entlastet werden.

Eine moderne Infrastruktur ist dafür zwingend notwendig, sei es in Form einer besseren Anbindung durch die öffentliche Verkehrsinfrastruktur, aber eben auch durch moderne Datenleitungen.

Haus & Grund warnt vor einer einfachen Politik der Baulandausweisung im ländlichen Raum, ohne die infrastrukturellen Voraussetzungen mitzudenken und dann auch zu schaffen.

Im neuen Koalitionsvertrag heißt es zur Rolle der privaten Eigentümer: „Die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen an den Prozessen der Stadtentwicklung wollen wir stärken und eine bessere Beteiligung von Privaten an der Städtebauförderung erreichen.“

In Rheinland-Pfalz sind rund 90 Prozent der Wohnungen im Eigentum von Privatpersonen. Daher ist die Beteiligung privater Eigentümer an den Prozessen und Programmen der Stadtentwicklung ein wichtiger Baustein für eine umfassende und nachhaltige Stadtentwicklungspolitik.

Haus & Grund setzt sich dabei für ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden auf dem eigenen Grund und Boden ein. Dafür wollen wir auch die Stadtentwicklungspolitik in Rheinland-Pfalz aktiv mitgestalten und dafür eintreten, dass private Akteure integraler Bestandteil der Programme und Maßnahmen der Städtebauförderung werden.

Grafik zum Wohnungsleerstand

 

Unser Autor: der Landesverbandsdirektor Ralf Schönfeld

Unser Autor: Ralf Schönfeld
ist Verbandsdirektor des
Landesverbands Haus
& Grund Rheinland-Pfalz.

 

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