Grundstücksmarkt Rheinland-Pfalz mit viel Licht und leider auch viel Schatten

Wieviel ist mein Häuschen heute wert? Und wieviel wird es in vielleicht zehn Jahren wert sein? Wohl kaum eine andere Frage interessiert Immobilieneigentümer stärker. Der aktuelle Grundstücksmarktbericht für Rheinland-Pfalz gibt fundierte Anhaltspunkte, wohin die Reise geht.

Trier
Deutlicher Trend: In den Ballungsgebieten entlang des Rheins - hier ein Blick auf Trier - steigt die Nachfrage nach Wohnraum. - Foto: Bernhard Küpper/ fotolia.de

Von Harald Gruber

Wie im gesamten Bundesgebiet befindet sich auch in Rheinland-Pfalz der Immobilienmarkt derzeit in einer überaus dynamischen (und dennoch zweigeteilten) Entwicklung: Konkret hat sich die bereits im Landesgrundstücksmarktbericht 2015 festgestellte, deutlich größere Nachfrage nach Immobilien in den Ballungsgebieten entlang des Rheins und im Bereich der Grenze zu Luxemburg weiter verfestigt, während sich insbesondere in den ländlich geprägten Regionen die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche wie zum Beispiel der demographische Wandel immer stärker bemerkbar machen. Vor allem in kleinen Dörfern auf dem „flachen“ (in Rheinland-Pfalz ja oftmals eher bergig-hügeligen) Land führt dies zu vermehrten Leerständen.

Die wichtigsten Auszüge des Grundstücksmarktberichts 2017 können hier kostenlos von der Webseite der Landesregierung heruntergeladen werden.

Aber auch deutliche Veränderungen der Wohnansprüche führen zu Verschiebungen bei der Nachfrage in den ohnehin nicht gerade boomenden ländlichen Regionen ebenso wie in weniger guten Lagen in den Ballungsräumen. Denn hier wie dort lassen sich gute Mietrenditen nur dann erzielen, wenn die Qualität der angebotenen Wohnungen stimmt. Anders ausgedrückt: Wer sein Haus nicht gerade in einer Top-Lage stehen hat, wird auch in Zukunft nicht um regelmäßige Investitionen herumkommen, will er den Wert und die Rentabilität seiner Investition dauerhaft erhalten.

Das gilt übrigens nicht nur für die privaten Immobilieneigentümer, sondern auch für die Politik. So zeigt der Landesgrundstücksmarktbericht 2017, dass Investitionen des Landes und der Kommunen in eine bessere lokale Infrastruktur durchaus Früchte tragen und in Kombination mit dem Engagement privater Eigentümer so manch negative Entwicklung in strukturschwachen Gebieten aufhalten – wenn nicht gar umkehren – können.

Auch Innenminister Roger Lewentz, in dessen Verantwortungsbereich der vom Oberen Gutachterausschuss für Grundstückswerte zusammengestellte Immobilienmarktbericht fällt, scheint dies erkannt zu haben: Eine „intelligente Infrastruktur, die neben einem flächendeckenden Breitbandnetz auch die traditionellen Infrastruktureinrichtungen wie Straße und Scheine umfasst“, so schreibt er im Vorwort, „generiert einen positiven Nachteilausgleich und garantiert eine vollständige Wettbewerbsfähigkeit der Regionen“.

Davon ist die Wirklichkeit derzeit jedoch leider noch weit entfernt, wie unsere ebenfalls dem Grundstücksmarktbericht entnommenen Grafiken und Tabellen zeigen. Zu erwartende Bevölkerungsentwicklung und die Haus- bzw. Baulandpreise sind regional doch höchst unterschiedlich.

In diesem Jahr wurde übrigens erstmals auch die Entwicklung der Bodenpreise für landwirtschaftliche Grundstücke erfasst – hier explodieren derzeit geradezu die Preise für Äcker und Wiesen im Land. Preistreiber hier ist vor allem die durchaus umstrittene staatliche Förderung von Biogas- und Windkraft-Anlagen, also weniger die traditionelle Nutzung für Getreide-Anbau oder Viehzucht.

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