Wohnungsmarkt in Rheinland-Pfalz: Mehr Wohnungen, weniger Baugenehmigungen

Haus & Grund lobt die gute Bauförderung des Landes und fordert ein Ende von Mietpreisbremse & Co.

Symbolbild Wohnungsmarkt: Luftbild eines Ortes in Rheinland-PfalzFoto: Dynamoland / AdobeStock

Rheinland-Pfalz ist auf einem guten Weg, was die Versorgung mit Wohnraum anbelangt. Das zeigt die Wohnungsmarktbeobachtung, die das Finanz- und Bauministerium, die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) und das Statistische Landesamt nun vorgestellt haben.

2,3 zusätzliche Wohnungen pro 1.000 Einwohner

Demnach ist die Zahl der Wohnungen im Jahr 2019 stärker gestiegen als die Einwohnerzahl. Auf 4,09 Millionen Einwohner kamen zum Jahreswechsel 2,12 Millionen Wohnungen. Das macht unter dem Strich 2,3 mehr Wohnungen pro 1.000 Einwohner als noch 2018.

Weniger Baugenehmigungen, höhere Kaufpreise

Termin vormerken:
ISB-Beratung für Modernisierer am 19. November 2020

Das Land fördert über die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) nicht nur den Neubau, sondern auch die Modernisierung bestehender Gebäude.

Neue Fenster? Neue Heizung? Bad ohne Barrieren? Gleich alles zusammen?

Unter dem Motto „Modernisieren mit Rabatt“ berät die ISB am 19. November 2020 umfassend, kostenfrei und digital oder telefonisch zu den Modernisierungsprogrammen des Landes.

Rheinland-Pfälzerinnen und -Pfälzer, die eine selbst genutzte oder vermietete Immobilie modernisieren wollen, können von der ISB zinsgünstige Darlehen erhalten und zahlen bis zu 20 Prozent weniger zurück.

Aufgrund der Corona-Lage findet die Beratung ausschließlich per Video oder Telefon statt. Eine vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 0 61 31 / 61 72 - 19 91 oder per Mail an wohnraum@isb.rlp.de ist in jedem Fall erforderlich.

Infos zum Modernisierungsprogramm der ISB gibt es unter: www.modernisieren-mit-rabatt.de

Die Zahl der Baugenehmigungen und Baufertigstellungen ist 2019 leicht gefallen. Sie lag im langjährigen Vergleich aber immer noch auf einem hohen Niveau. Gestiegen sind die Neuvertragsmieten und Kaufpreise.

Gute Noten für die Bauförderung des Landes

Ministerin Doris Ahnen bezeichnete die Marktbeobachtung als „wichtiges Element für eine gute Wohnungspolitik“. Was die Förderung des Bauens angeht, stellte Haus & Grund Rheinland-Pfalz dem Land ein gutes Zeugnis aus.

Kritik an Gängelungen wie der Mietpreisbremse

Deutlichen Verbesserungsbedarf gebe es aber vor allem bei den Reglementierungen für den Mietwohnungsmarkt. „Die Mietpreisbremse und die reduzierte Kappungsgrenze funktionieren nicht. Ganz im Gegenteil: Sie führen eher dazu, dass private Vermieter sich immer mehr gegängelt fühlen und zunehmend die Lust an der Vermietung und am Neubau verlieren“, betonte Landesverbandsdirektor Ralf Schönfeld.

Private Vermieter als oft unterschätzter Faktor

Er erinnerte an eine Tatsache, die dem neuen Zahlenwerk leider nicht zu entnehmen sei: „Private Vermieter sind die Garanten für einen funktionierenden Wohnungsmarkt und bezahlbare Mieten.“ Das sollte, so Schönfeld, von der Politik auch entsprechend gewürdigt werden.

Weniger Einschränkungen und mehr Förderung

Statt auf Einschränkungen zu setzen, solle besser die erfolgreiche Wohnungsbauförderung weiter gestärkt werden, forderte der Verbandsdirektor.

Mehr zur „Wohnungsmarktbeobachtung Rheinland-Pfalz 2020“ erfahren Sie:

Hilfen von über einer Milliarde Euro in fünf Jahren

Als ein Kernstück der Förderung bezeichnete Ministerin Doris Ahnen die Hilfen für den sozialen Wohnungsbau. In den vergangenen fünf Jahren seien in diesen Bereich insgesamt mehr als eine Milliarde Euro an Darlehen und Zuschüssen geflossen.

Bis Oktober 2.068 geförderte Wohneinheiten

Und die Nachfrage nach den Förderprogramm sei auch im laufenden Jahr weiter hoch. Trotz der Corona-Pandemie konnten bis Ende Oktober 2020 insgesamt 2.068 Wohneinheiten mit einem Volumen von rund 227 Millionen Euro gefördert werden. Bei mehr als der Hälfte der Wohneinheiten handele es sich um Mietwohnungen.

Kreditvolumen soll 2021 weiter steigen

Ahnen geht davon aus, dass das Kreditvolume von insgesamt 300 Millionen Euro bis Jahresende vollständig bewilligt sein wird. Derzeit lägen noch offene Anträge für rund 100 Millionen Euro vor. Im kommenden Jahr soll die Förderung darum weiter ausgebaut werden. „Im Haushalt für 2021 sehen wir eine Erhöhung des Kreditvolumens auf 375 Millionen Euro vor“, kündigte die Finanz- und Bauministerin an.

Fakten aus der Wohnungsmarktbeobachtung 2020 im Überblick:

  • Baugenehmigungen: Obwohl die Zahl der insgesamt genehmigten Wohnungen 2019 um 3,6 Prozent zurückging, befand sie sich immer noch auf hohem Niveau – in den vergangenen zehn Jahren wurden nur 2016 und 2018 höhere Werte registriert. Der Rückgang liegt aus Sicht von Sebastian Fückel (Referatsleiter im Statistischen Landesamt) unter anderem am deutlichen Rückgang der Gehnemigungen für Wohnungen in Wohnheimen (Minus von über drei Viertel gegenüber 2018).
    Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl wurden in Landau die mit Abstand meisten Baugenehmigungen erteilt. „Hier kommen auf 1.000 Einwohner/innen 12,6 genehmigte Wohnungen. Dahinter folgt der Eifelkreis Bitburg-Prüm mit 7,1 genehmigten Wohnungen“, so Fückel.
  • Fertigstellungen: Die Zahl fertiggestellter Wohnungen ging zurück: Insgesamt wurden 2019 rund 14.100 Wohnungen fertiggestellt – 8,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Den höchsten Wert wies auf Kreisebene der Landkreis Mainz-Bingen mit 2.200 Wohnungen auf (+ 33 Prozent; 10,2 Wohnungen je 1.000 Einwohner/innen). Den zweiten Platz erreichte die Stadt Landau mit 8,3 fertiggestellten Wohnungen je 1.000 Einwohner/innen.
  • Neuvertragsmieten und Kaufpreise: Wegen der vielerorts weiter wachsenden Wohnraum-Nachfrage sind derzeit steigende Miet- und Kaufpreise zu verzeichnen. In allen Landkreisen und in allen kreisfreien Städten erhöhten sich die Mieten im ersten Halbjahr 2020 und lagen für neu zu vermietende Geschosswohnungen im Mittel bei 7,58 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.
    Am geringsten fiel der Preisanstieg gegenüber 2019 in Trier aus (+ 0,6 Prozent). Demgegenüber war die Teuerung im Donnersbergkreis am stärksten (+ 6,2 Prozent). Am meisten gezahlt werden muss mit 11,86 Euro pro Quadratmeter beim Abschluss eines neuen Mietvertrags in der Landeshauptstadt Mainz.
    Auch beim Wohneigentum halten die Preissteigerungen an: Eigentumswohnungen wurden in Rheinland-Pfalz im ersten Halbjahr 2020 im Mittel für 2.746 Euro je Quadratmeter zum Kauf angeboten. Am teuersten sind Eigentumswohnungen in Trier (3.817 Euro) und Mainz (3.660 Euro). Auch in Koblenz, Neustadt an der Weinstraße, Speyer und Landau wurden Preise von durchschnittlich mehr als 3.000 Euro je Quadratmeter verlangt.
  • Soziale Wohnraumförderung: Der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen bleibt insbesondere in den Schwarmstädten und deren Einzugsgebieten weiterhin groß. Die höchsten Fördervolumen bei den kreisfreien Städten wurden 2019 in Trier (mit 18,8 Millionen Euro für 212 Wohneinheiten) und Mainz (mit 17,2 Millionen Euro für 221 Wohneinheiten) bewilligt. Auf Landkreisebene war der Kreis Trier-Saarburg Spitzenreiter mit 152 geförderten Wohneinheiten in Höhe von 16,6 Millionen Euro.
Kompletter Bericht: Nachlesen oder herunterladen können Sie den kompletten Bericht über die Homepage der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB): Download „Wohnungsmarktbeobachtung Rheinland-Pfalz 2020“ (PDF-Datei)

 

Dieser Artikel stammt aus dem digitalen Info-Service von Haus & Grund Rheinland-Pfalz (Ausgabe November 2020 vom 12. November 2020). Melden Sie sich jetzt an für diesen kostenlosen Service des Landesverbands:

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