Einfamilienhaus, Garage und Garten: Das sind die Vorlieben beim Wohnen

IW-Studie zeigt neue Perspektiven für Vororte und einige recht überraschende Ergebnisse.

Symbolbild Wohnvorlieben: Hand hält kleines Miniatur-Haus vor echtes EinfamilienhausFoto: Marcus Hofmann / AdobeStock

Die Empörung war (zurecht) groß, als Grünen-Politiker Anton Hofreiter unlängst laut über ein Verbot von Einfamilienhäusern nachdachte. Das könnte auch damit zu tun haben, dass dieser Haustyp für eine Mehrheit der Deutschen der Inbegriff ihres Wohntraums ist – und das ganz unabhängig davon, ob es sich um Mieter oder Eigentümer, Junge oder Alte, Städter oder überzeugte Bewohner ländlicher Gegenden handelt. Eher unbeliebt sind dagegen große Mehrfamilienhäuser. Das hat nun eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gezeigt.

Diskussionen über ein Verbot sorgt für Verunsicherung

„Angesichts dieser Vorlieben einer Mehrheit der Bürger sind Diskussionen über ein mögliches Verbot nicht nur völlig unangebracht, sondern auch alles andere als sinnvoll. Das verunsichert mögliche Bauherren nur unnötig und hilft ganz sicher nicht, die Probleme in angespannten Wohnungsmärkten zu lösen“, betont Ralf Schönfeld, der Verbandsdirektor des Landesverbands Haus & Grund Rheinland-Pfalz.

Kompletter Bericht

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Die IW-Studie ging den Wohnvorlieben der Deutschen anhand eines Auswahlexperiments mit 1.000 Teilnehmern auf den Grund. Das ergab nicht nur Sympathien für (am liebsten freistehende) Einfamilienhäuser, sondern auch für dazu passende Nebenargumente wie Garten und Garage (siehe dazu auch Info-Kasten am Ende des Textes).

Erst über 40 Minuten wird die Fahrtzeit zum Problem

Eine schnelle Anbindung ans Zentrum wollen zwar alle. Doch die Befragung zeigte, dass eine Wohnoption erst ab einer Fahrtzeit von mehr als 40 Minuten (mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln) ins Zentrum negativ bewertet wird. Viele Stadtbewohner könnten sich also durchaus vorstellen, ins Umland zu ziehen, wenn sie dort gut angebunden in einem Einfamilienhaus leben können.

„Der Zuzug in die Großstadt ist kein Naturgesetz“

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass es möglich wäre, die Wohnungsnachfrage gleichmäßiger zu verteilen. Zudem hat die Befragung gezeigt, dass der Wunsch nach spezifischen Lagen stark vom gegenwärtigen Lebensmittelpunkt abhängt. Wer in der Großstadt lebt, bevorzugt in der Regel zwar die Großstadt. Wer in einer Kleinstadt lebt, der lehnt allerdings umgekehrt auch Großstadtzentren eher ab. „Der kontinuierliche Zuzug in die Großstadt ist kein Naturgesetz“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Vielmehr müsse abseits der Metropolen ein präferenzgerechtes Angebot entstehen. Dazu gehört unter anderem auch eine ansprechende und ausreichende Nahversorgung (wie Lebensmittelgeschäfte), die möglichst zu Fuß bequem erreichbar sein sollte. Das ist fast allen Befragten wichtig.

Bisher galten bei der Wohnkostenbelastung 30 Prozent des Einkommens immer als Grenze des Zumutbaren. Allerdings waren die meisten Befragten etwas überraschend durchaus bereit, auch 40 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen auszugeben. Obwohl sie es natürlich bevorzugen würden, weniger zu zahlen.

Zahl der Räume wichtiger als die reine Wohnfläche

Die beliebteste Wohnungsgröße sind 90 bis 120 Quadratmeter, für kleinere Haushalte 50 bis 75 Quadratmeter. Weniger beliebt sind sehr kleine (50 bis 75 m²) und sehr große Wohnflächen (120 bis 160 m²). Wichtiger als die reine Größe ist vielen Befragten aber ohnehin, dass die Wohnung mehr Räume bietet. „Dies bedeutet, dass Projektentwickler gefordert sind, nicht immer größere Wohnungen zu bauen, sondern die Wohnfläche besser nutzbar zu machen“, betont Voigtländer.

Was den Befragten wie wichtig war

Von den verschiedenen Merkmalen der bei der IW-Studie wählbaren Varianten waren den Befragten der Objekttyp (durchschnittlich 17 %), die Wohnkostenbelastung (15 %), die Wohnfläche und die Anzahl der Wohnräume (je 13 %) besonders wichtig. Weniger stark ins Gewicht fielen die ÖPNV-Anbindung (11%), die Eigentumsform und der Wohnstandort (je 9 %), die individuelle Verkehrsanbindung, etwa per Pkw, (8 %) sowie die fußläufige Erreichbarkeit für die Nahversorgung (6 Prozent).

Abgefragt wurde darüber hinaus auch, welche weiteren Argumente für eine Entscheidung relevant wären. Dabei durften die Befragten aus 30 Merkmalen maximal sechs wählen. Etwa jeder dritte Teilnehmer (31 bis 34 Prozent) wählte Balkon, Garten und Stellplatz oder Garage. Etwa jeder vierte Teilnehmer (22 bis 28 Prozent) nannte die Eigenschaften Ruhe bzw. Lärmbelästigung, Heizungssystem und Zimmeraufteilung.

Seltener als vermutet wurden die Verfügbarkeit eines Breitbandanschlusses (19 %) und die Barrierefreiheit der Wohnung (12 Prozent) genannt. Allerdings könnte das daran liegen, dass schnelles Internet für die Teilnehmer einer solchen Online-Umfrage als Selbstverständlichkeit erscheinen könnte. Und daran, dass sich Menschen mit Themen wie einer alten- oder behindertengerechten Wohnung erst beschäftigen, wenn das für sie akut wird. Dafür spricht, dass die Barrierefreiheit den Befragten über 55 Jahren (19 %) schon spürbar wichtiger war.

Übrigens: Andere Eigenschaften von Häusern - wie etwa E-Ladesäulen, die Nähe zu einem Carsharing-Angebot, eine Smart Home-Ausstattung oder Fahrradstellplätze - spielen nur für eine kleine Anzahl von Haushalten eine entscheidende Rolle.

 

Dieser Artikel stammt aus dem digitalen Info-Service von Haus & Grund Rheinland-Pfalz (Ausgabe April 2021 vom 23. April 2021). Melden Sie sich jetzt an für diesen kostenlosen Service des Landesverbands:

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