Haus & Grund Aktuell Infotelegramm

27.04.2012

Energieeffizienz von Gebäuden: EU entschärft Richtlinienentwurf

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25.04.2012

Private Kleineigentümer dominieren Handel mit Immobilien

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10.04.2012

Eigenen Garten in Schuss bringen und Steuerbonus sichern

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Panik ist fehl am Platze: Jede Krise bietet auch Chancen

tl_files/hug_rlp/content_images/fuersweb_lvbt_ludwigshafen.jpgAuch und gerade angesichts von weltweit immer neuen Finanzkrisen und einer zunehmenden Überalterung der Gesellschaft hierzulande:  Immobilieneigentümer können der Zukunft gelassen entgegensehen. Das jedenfalls war das Credo eines in jeder Hinsicht bemerkenswerten Vortrags von Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen beim Landesverbandstag von Haus & Grund Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen.

Von Dr. Ilse Preiss

Auch wenn er seine Aussagen mit viel Charme und Ironie präsentiert: An Klarheit und Schärfe mangelt es Bernd Raffelhüschen nicht. Bei der Kundgebung von Haus & Grund Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen reizte der renommierte Sozial- und Steuerexperte mit dieser Mischung zum Lachen – und zum Nachdenken.
Demografie, Finanzkrise und Immobilien lauteten die Stichworte, mit denen Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, auf eine durchaus unterhaltsame Tour d’Horizon ging. Der 53-Jährige bewegte sich dabei leichtfüßig auf einem Terrain, das er wie die sprichwörtliche Westentasche kennt. Denn Themen wie Alterssicherung, Gesundheitsökonomie oder Pflegevorsorge stehen seit vielen Jahren im Mittelpunkt seiner Forschungsarbeit – und auf seine umfassende Expertise bei diesen komplexen Fragestellungen griff und greift auch die Bundesregierung gerne zurück.

„Deutschland steht vergleichsweise gut da“
Im Ludwigshafener Pfalzbau räumte der Redner erst einmal mit seiner Meinung nach falschen Einschätzungen auf. Unter dem Strich rund 3,5 Prozent Verluste bei Finanzanlagen: Die eben bewältigte Wirtschaftskrise war für Bernd Raffelhüschen „maximal mittelschwer“, beeindruckt hat ihn allenfalls ihre „extrem steile Entwicklung“. Bei den Immobilienpreisen seien in Deutschland lediglich regionale Einbrüche zu verzeichnen gewesen; „derzeit geht’s überwiegend wieder satt nach oben“. Ganz anders dagegen die Lage in den USA, in Spanien oder in Skandinavien. Dort betrage die Eigentümerquote zwar über 60 Prozent, „aber die Häuser gehören nicht den Menschen, sondern den Banken – und das macht diese Märkte anfällig.“

„Die nächste Krise kommt bestimmt“
„Wir hier sind doch gut durch die Krise gekommen, oder?“ fragte der Finanzexperte rhetorisch in die gut besetzten Reihen. Schließlich sei es auch gar nicht so schwierig, eine volkswirtschaftliche Krise – „und die nächste kommt bestimmt, das können Sie schon in der Bibel nachlesen“ – zu bewältigen. „Ein Drittel Haus und Hof, ein Drittel mündelsichere Wertpapiere, ein Drittel Tüddelüdd“ lautete das Patentrezept seines nordfriesischen Opas, neudeutsch als Diversifizierungsstrategie bei Geldanlagen bezeichnet. Denn: Gegen  Zufallsprozesse wie die Entwicklung an den internationalen Aktienmärkten gebe es keine mit klarem Verstand kalkulierbare Strategie. „Aber ein Dach überm Kopf braucht man immer.“ Aus gutem Grund, so Raffelhüschen, sei Immobilienbesitz mittlerweile zum festen Bestandteil der privaten Altersvorsorge geworden – inklusive entsprechender staatlicher Förderung.

 

Prof. Dr. Bernd RaffelhüschenAllerdings sieht auch der Freiburger Professor gerade private Immobilieneigentümer vor enormen Herausforderungen. Die von der Politik vorangetriebene energetische Sanierung der Bestandsimmobilien ist dabei für ihn „nicht der harte Punkt“, entscheidend seien vielmehr die Auswirkungen der demografischen Entwicklung. Die Struktur der Bevölkerung in Deutschland wird sich deutlich verändern. Die heutige Rentnergeneration habe zwar viele Kinder in die Welt gesetzt, diese Kinder aber sind Eltern von nur wenigen Kindern, „und in den nächsten Jahren werden dann  die wenigen Mütter noch weniger Kinder haben“.

Altersgerechter Umbau wird Zukunftsthema

Eine (längst bekannte) Folge: Die Zahl der Rentner wird sich verdoppeln, die der jungen Familien erheblich abnehmen. Raffelhüschen: „Die Schulen, die wir jetzt über Konjunkturprogramme saniert haben, werden wir nicht mehr voll kriegen.“ Dafür jedoch wird insbeondere die Zahl der pflegebedürftigen Senioren weiter zunehmen, insbesondere die Zahl der langwierigen dementen Pflegefälle. Und das Thema Pflege, war sich der Experte sicher, „ist mit das Explosivste, was wir in Deutschland haben“. Noch sei die Pflegeversicherung finanzierbar, weil relativ viele Einzahler relativ wenigen Pflegefällen gegenüberstehen. Ohne Reformen aber werde der Beitrag zur Pflegeversicherung von derzeit 1,95 Prozent (Kinderlose 2,2 Prozent) dramatisch steigen müssen.

Ambulante oder gar stationäre Altenpflege ist teuer; schon heute werden laut Raffelhüschen 70 Prozent der Senioren zuhause von Familienangehörigen betreut, vor allem von Frauen, Töchtern und Schwiegertöchtern. Aber gerade die familiäre Pflege wird im Zuge der demografischen Entwicklung zum Problem: „Welche Tochter oder Schwiegertochter soll Sie denn pflegen, wenn Sie vergessen haben, Kinder zu zeugen?“
Es gelte, sich auf diese Herausforderungen einzustellen, rief der Fachmann seine Zuhörer auf: „Sie dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken.“ Seine Empfehlung an alle Immobilieneigentümer: „kurzfristig energetisch, mittelfristig altersgerecht, wenn möglich pflegegerecht sanieren“. Und: „Setzen Sie alles daran, möglichst lange in Ihren eigenen vier Wänden leben zu können.“

Demografischer Wandel vollzieht sich langsam
Panik („der schlechteste aller möglichen Ratgeber“) sei dabei nicht angebracht, schließlich vollziehe sich der demografische Wandel langsam und müsse für die Nachfrage nach Immobilien auch gar nicht negativ sein. „Je älter der Mensch, desto höher die Pro-Kopf-Nachfrage nach Wohnraum“, lautete ein Argument. Auch die Zunahme der Singularisierung (immer mehr Ein-Personen-Haushalte) führe zu höherer Nachfrage. Außerdem ergeben sich einfach auch andere Nutzungsformen. Das klassische Ein-Familien-Haus etwa sei auch gefragt bei gutverdienenden Singles und kinderlosen Paaren, die ihren Arbeitsplatz teilweise nach Hause verlagern oder Platz für ihre Hobbys schaffen wollen. Bernd Raffelhüschen: „Jede Entwicklung bietet auch Chancen.“

 

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