Alles klar beim Kanal: Niedrige Abwassergebühren in den fünf größten Städten in Rheinland-Pfalz

Abwasser-Studie: Wissenschaftler haben im Auftrag von Haus & Grund die Abwasserkosten in den 100 größten Städten Deutschlands verglichen. Kaiserslautern verpasste den Sprung aufs Treppchen nur knapp. Und auch in Trier, Mainz, Koblenz und Ludwigshafen kommen Verbraucher günstig weg.

Ist das gerecht? Man betätigt einmal die Toilettenspülung und zahlt dafür in der einen Kommune mehr als dreimal so viel wie in der anderen. Denn: Die Kosten für die Abwasserentsorgung variieren je nach Stadt um mehrere hundert Euro pro Jahr. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Auftrag von Haus & Grund Deutschland erstellt hat.

„Wir wollen Transparenz schaffen und zeigen, dass hohe Abwassergebühren kein Naturgesetz sind“, betonte Haus & Grund Präsident Kai Warnecke bei der Präsentation der Studie.

Verbraucher, aber auch die kommunalen Verwaltungen und die politisch Verantwortlichen können anhand der vorliegenden Ergebnisse ihre aktuelle Positionierung im Wettbewerb der Städte um attraktive Standortbedingungen besser einschätzen.

Für den Vergleich wurden die jährlichen Abwassergebühren einer vierköpfigen Musterfamilie in den nach Einwohnern 100 größten Städten in Deutschland untersucht. Ein Vierpersonenhaushalt zahlt beispielsweise in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) im Durchschnitt 260 Euro im Jahr, in Potsdam dagegen mehr als 910 Euro.

In der Mitte des Rankings findet sich die Stadt Marl mit 494 Euro im Jahr. In allen fünf Städten, die in Rheinland-Pfalz untersucht wurden, hätte die Musterfamilie (zum Teil sogar deutlich) weniger bezahlt. Kaiserslautern landete mit 322,52 Euro auf dem vierten, Trier mit 364,14 Euro auf dem elften Platz. Wie viel der 19. Platz in Mainz wert ist, zeigt sich im Vergleich mit der anderen Mainseite. Während in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt 387,29 Euro verlangt werden, wären jenseits des Flusses in Wiesbaden stolze 541,77 Euro (Platz 62) fällig.

Auch „Schlusslichter“ noch im günstigsten Drittel

Selbst die landesweiten Schlusslichter Koblenz (Platz 24) und Ludwigshafen (Platz 29) schafften es ins günstigste Drittel der 100 größten deutschen Städte. Dementsprechend wenig Anlass gibt es auch dort für Beschwerden.

Allerdings wurden für das Ranking nur die größten Städte verglichen. In kleineren Kommunen und gerade weitverzweigten Landgemeinden sind die Gebühren durch große Entfernungen (und ein dementsprechend langes Kanalnetz) mitunter deutlich höher.

Das Ranking der Abwassergebühren

Auszug aus der Rangliste zur Abwassergebühren-Studie – angegeben sind jeweils die jährlichen Gebühren für eine vierköpfige Musterfamilie:

1. Ludwigsburg 261,81 €
2. Heidelberg 308,80 €
3. Freiburg 320,48 €
4. Kaiserslautern 322,52 €
...
11. Trier 364,14 €
19. Mainz 387,29 €
24. Koblenz 403,60 €
29. Ludwigshafen 414,43 €
...
98. Mönchengladbach 837,08 €
99. Cottbus 838,76 €
100. Potsdam 911,23 €

Denn äußere Rahmenbedingungen wie der für die Versorgung der kommunalen Fläche notwendige Umfang, die Dimensionierung der Kanäle sowie das Alter des Abwassernetzes, Hochwasserschutzmaßnahmen, die Infrastruktur für die Regenrückhaltung und Abwasserbeseitigung sowie der Einsatz neuer Technologien haben einen wesentlichen Anteil daran, wie hoch oder niedrig die Abwasserpreise in den Städten ausfallen.

Auch Veränderungen in der Bevölkerungsdichte wirken sich aus: Wenn durch Abwanderungsbewegungen in einer Region die Bevölkerungsdichte abnimmt, sinkt damit auch der Frischwasserverbrauch.

So wird das Abwasserkanalsystem weniger genutzt. Damit steigen die Kosten zur Erhaltung des Systems. Und die werden auf die Gebühren draufgeschlagen.

„Allerdings sind die Strukturunterschiede allein keine ausreichende Erklärung für die enormen Preisdifferenzen“, so Haus & Grund Präsident Warnecke. „Wir wollen mit unserer Studie Diskussionen vor Ort anstoßen: Die Gründe für die zum Teil hohen Kosten müssen analysiert und benannt werden.“

Dass die Kommunen durchaus Gestaltungsspielräume haben, belegen die teils erheblichen Veränderungen der Gebühren im Vergleich zur vorigen Untersuchung des IW Köln im Jahr 2008. Danach ist beispielsweise die Stadt Salzgitter im Ranking von ehemals Platz 84 auf 42 gestiegen. Die Kosten für die Musterfamilie sind damit im Jahr um rund 150 Euro gesunken.

Letztlich hat der Verbraucher kaum Möglichkeiten, seine Abwasserrechnung zu beeinflussen – bei überhöhten Gebühren kann er den Anbieter nicht wechseln. Auf der anderen Seite sind einheitliche Abwasserpreise in ganz Deutschland alles andere als wahrscheinlich. Dafür sind die Struktur-unterschiede zu groß.

Und selbst Wassersparen kann kontraproduktiv sein: Der stark zurückgehende Wasserverbrauch in Deutschland hat teilweise dazu geführt, dass nicht ausgelastete Wasser- und Abwasserleitungen mit Frischwasser gespült werden müssen – aus hygienischen Gründen.

Auf kommunaler Ebene, dort, wo über die Zusammensetzung der Abwassergebühr entschieden wird, kann sich jedoch jeder einzelne Verbraucher einmischen. Das Abwasserranking ermöglicht einen einfachen Vergleich mit anderen Kommunen und kann dadurch eine wichtige Argumentationshilfe in der kommunalpolitischen Diskussion sein – auch in den Gemeinden, die nicht untersucht wurden.

Die Einschätzung von Haus & Grund hat Gewicht

Mehr Gewicht noch als einzelne Verbraucher haben dabei organisierte Interessenvertretungen wie die Ortsvereine von Haus & Grund. Sie kennen auch die Verhältnisse vor Ort sehr gut und wissen, wo die Gebühren ausgewogen sind und wo klare Kante gezeigt werden muss, weil Verbesserungspotentiale nicht genutzt werden.

Am Ende kann eine erhöhte Preis- und Gebührentransparenz zu dem notwendigen Wettbewerbsdruck führen, der dann die Preise für viele Verbraucher sinken lässt.

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